Die Dreamforce 2026 hat vom 15. bis 17. September 2026 in San Francisco stattgefunden und stand ganz im Zeichen von KI-Agenten, neuen Schnittstellen und dem sogenannten „Agentic Enterprise“. Im Mittelpunkt stand weniger die Frage, wie Salesforce seine klassische Oberfläche weiterentwickelt, sondern vielmehr, wie Salesforce-Daten, Geschäftslogik und Workflows künftig dort verfügbar werden, wo Menschen und KI-Agenten ohnehin arbeiten.

AIforce: „AI replaces the UI“

Eine der zentralen Botschaften der diesjährigen Dreamforce lautet „AI replaces the UI“. Mit AIforce möchte Salesforce seine Daten, Workflows und Berechtigungen dort verfügbar machen, wo Nutzer ohnehin arbeiten, beispielsweise in Claude, Slack oder Lightning.

Für Unternehmen und insbesondere Salesforce-Admins rückt damit das Thema Berechtigungen und Governance noch stärker in den Mittelpunkt. Permission Sets und Sharing Rules werden zur entscheidenden Sicherheitsgrenze, wenn Salesforce-Funktionen über verschiedene Oberflächen und KI-Anwendungen hinweg genutzt werden.

Noch offen ist allerdings, wie sich die Berechtigungen und Zugriffsregeln verhalten, wenn Nutzer zwischen verschiedenen Produkten und Oberflächen wechseln. Auch eine konkrete Preisstruktur für AIforce wurde bislang nicht bekannt gegeben.

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Claudeforce: Salesforce trifft auf Claude

Mit Claudeforce bringt Salesforce seine Plattform direkt in die KI-Umgebung von Anthropic. Die Integration ist als offene Beta verfügbar und umfasst bereits 37 vorgefertigte Sales-Skills. Claude läuft dabei standardmäßig in Slack und soll Salesforce-Daten und -Funktionen direkt nutzbar machen.

Die Partnerschaft zwischen Salesforce und Anthropic war auf der Dreamforce allerdings nicht nur wegen der technischen Integration ein Thema. Salesforce investiert 2026 rund 300 Millionen US-Dollar in Anthropic, während gleichzeitig zahlreiche Salesforce-Mitarbeiter zu Anthropic gewechselt sind.

Damit zeigt sich, dass die Entwicklung von KI im Salesforce-Ökosystem längst nicht mehr nur eine Frage neuer Funktionen ist. Auch strategische Partnerschaften und die Verfügbarkeit entsprechender KI-Kompetenzen spielen eine immer größere Rolle.

Agentforce: Von der Vision zur praktischen Anwendung

Agentforce ist auf der Dreamforce 2026 deutlich stärker in der Praxis angekommen. Während viele Gespräche im Vorjahr noch von Zurückhaltung gegenüber KI-Agenten geprägt waren, berichteten diesmal zahlreiche Teilnehmer von eigenen Erfahrungen mit bereits eingesetzten Agenten.

Auch die Geschäftszahlen unterstreichen die Entwicklung: Der jährlich wiederkehrende Umsatz von Agentforce hat laut Salesforce inzwischen die Marke von 1,5 Milliarden US-Dollar überschritten und ist damit um 240 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Dynamik fehlt es Unternehmen teilweise noch an den notwendigen Kompetenzen. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht mangelnde KI-Kenntnisse als eine der größten neu entstandenen Kompetenzlücken. Für Unternehmen geht es daher nicht nur darum, Agenten einzuführen, sondern auch darum, Mitarbeiter für den Umgang mit der Technologie zu qualifizieren und klare Rahmenbedingungen für ihren Einsatz zu schaffen.

Builder Central: Apps und Agenten per Sprache erstellen

Mit Builder Central stellt Salesforce ein weiteres Werkzeug vor, das die Entwicklung von Apps und Agenten vereinfachen soll. In der Beta-Version können Anwendungen und Agenten mithilfe natürlicher Sprache erstellt und getestet werden. Auch Governance soll dabei berücksichtigt werden.

Die Demonstrationen auf der Dreamforce vermitteln allerdings einen etwas schnelleren Eindruck, als es der tatsächliche Entwicklungsprozess derzeit hergibt. Nach Einschätzung von Salesforce Ben dauert die Erstellung einer solchen Anwendung in der Praxis eher rund 20 Minuten.

Für Admins lässt sich daraus eine zentrale Botschaft ableiten: „Delegate the work, not the judgement.“ KI kann also zunehmend Aufgaben übernehmen, die Verantwortung für die daraus entstehenden Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen.

Salesforce und KI helfen Vertrieb und Service, trotz Fachkräftemangel und Preisdruck effizienter zu arbeiten und messbare Ergebnisse zu erzielen.

Koa: Ein eigenes Reasoning-Modell für Salesforce

Mit Koa präsentierte Salesforce außerdem ein eigenes CRM-Reasoning-Modell auf Basis von NVIDIA Nemotron. Das Modell befindet sich derzeit noch in der Pilotphase.

In der Salesforce-Community wurde die Ankündigung unterschiedlich eingeordnet. Eine Frage ist beispielsweise, auf welche Salesforce-Objekte Koa tatsächlich zugreifen kann und welche Änderungen das Modell selbstständig vornehmen darf.

Damit zeigt sich erneut, dass bei KI-Agenten nicht allein die Leistungsfähigkeit des Modells entscheidend ist. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Daten und Aktionen ein Agent innerhalb eines Unternehmens tatsächlich nutzen darf.

Der Salesforce-Ausfall während der Dreamforce

Für Gesprächsstoff sorgte außerdem ein globaler Salesforce-Ausfall am zweiten Tag der Dreamforce. Die Störung dauerte mehrere Stunden und betraf unter anderem Logins und APIs – auch Nutzer in Deutschland waren betroffen.

Als Ursache wurde ein überlasteter interner Login-Dienst genannt.

Der Zeitpunkt war dabei besonders bemerkenswert: Während Salesforce auf der Dreamforce die zunehmende Bedeutung von Agenten und automatisierten Prozessen präsentierte, zeigte der Ausfall gleichzeitig, wie abhängig Unternehmen von der Verfügbarkeit zentraler Cloud-Plattformen sein können.

„This drives us nuts too“: Salesforce reagiert auf Kritik

Nicht alle Diskussionen auf der Dreamforce drehten sich um KI. In der „True to the Core“-Fragerunde ging es unter anderem um die häufigen Umbenennungen von Salesforce-Produkten und -Funktionen. Patrick Stokes reagierte auf die Kritik mit den Worten: „This drives us nuts too.“

Salesforce kündigte außerdem an, mit älteren IdeaExchange-Ideen anders umgehen zu wollen. Vorschläge, die bereits seit mehr als zehn Jahren bestehen, sollen bis zur nächsten TrailblazerDX entweder abgeschlossen und begründet werden oder auf die Roadmap gelangen.

Auch bei Security-Themen soll die Kommunikation verbessert werden. Änderungen wie MFA-Rollouts sollen künftig früher und klarer angekündigt werden.

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Die „SaaSpocalypse“-Debatte

Zusätzlich wurde die grundsätzliche Frage nach der Zukunft klassischer Software auf der Dreamforce diskutiert. Marc Benioff bezeichnete die These einer „SaaSpocalypse“ beziehungsweise eines bevorstehenden Endes klassischer Software als „crazy nonsense“. Jensen Huang sieht KI dagegen als zusätzliche Schicht über bestehender Software.

Für Diskussionen sorgte außerdem die unterschiedliche Einschätzung der KI-Regulierung. Während Jensen Huang auf der Dreamforce keine neuen Regeln für KI forderte, vertrat Anthropic-CEO Dario Amodei auf derselben Bühne eine andere Position.

Die Debatte zeigt, dass die Auswirkungen von KI auf Software, Unternehmen und Arbeitsprozesse noch längst nicht abschließend geklärt sind.

Fazit

Die Dreamforce 2026 stand deutlich im Zeichen von KI-Agenten und der Frage, wie Salesforce künftig genutzt wird. Mit AIforce, Claudeforce, Agentforce, Builder Central und Koa zeigt Salesforce verschiedene Wege auf, wie KI stärker mit Daten, Workflows und CRM-Prozessen verbunden werden kann.

Gleichzeitig haben die Diskussionen rund um Berechtigungen, fehlende KI-Skills, den Salesforce-Ausfall und die Kritik an Produktänderungen gezeigt, dass neben neuen Funktionen auch Stabilität, Governance und eine klare Steuerung entscheidend bleiben.

Damit verschiebt sich die zentrale Frage für Salesforce-Kunden: Nicht nur „Was kann KI?“, sondern vor allem „Welche Aufgaben soll KI in unserem Unternehmen übernehmen und wo bleibt der Mensch in der Verantwortung?“

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