Die UI ist tot, lang lebe die UI | Best-of IT für Vertrieb und Service – Mai 2026
Ein vorschneller Automatismus bringt einen britischen Radiosender in Schwierigkeiten. Und der Glaube an die rasante Adoption von KI-Agenten lässt manchen CEO von Software-as-a-Service-Giganten vorschnell den Tod von gewohnten Schnittstellen verkünden.
Schnellste Falschmeldung
Automatisierung kann Prozesse beschleunigen und zugleich Unternehmen in unangenehme Fettnäpfchen treten lassen. Der britische Sender Radio Caroline hat vor einigen Tagen fälschlicherweise den Tod von König Charles III. vermeldet. Nur war eben dieser zu dem Zeitpunkt gerade zu Besuch in Irland und wohl auch bei bester Gesundheit.
Der Geschäftsführer des Radiosenders, Peter Moore, hat sich dann auch öffentlich entschuldigt. Durch einen Computerfehler soll versehentlich das Protokoll „Monarch“ ausgelöst worden sein, das dann prozesskonform und sehr schnell den Tod des amtierenden Monarchen über den Sender verkündet hat. Moore hofft, dass man auch weiterhin traditionell die Weihnachtsansprache des Monarchen übertragen dürfe.
Die grafische Benutzeroberfläche ist tot, es lebe die grafische Benutzeroberfläche
In der Salesforce Bubble gab es zuletzt auch einige überraschende Neuigkeiten. Im April hat Salesforce auf der TrailblazerDX 2026 in San Francisco die Plattform Headless 360 vorgestellt. Ein Headless CRM entkoppelt in seiner Architektur das CRM-Backend (Daten, Logik, Workflows) von der Benutzeroberfläche. Alles wird technisch zugänglich und benötigt keine klassische Web-UI mehr. CEO Marc Benioff fasste es so zusammen: „Our API is the UI”. Das heißt, die gesamte Salesforce-, Agentforce- und Slack-Plattform ist nun für die Nutzung durch nicht-menschliche Agenten ansprechbar.
Wer sich jetzt fragt, wer dann die Vertriebsarbeit machen soll: Auf der Agentforce World Tour im Mai in Frankfurt hat sich mein Kollege Markus Scheurer dazu schlau gemacht. Headless soll kombiniert werden mit Agent Operations. Die AI Agenten bewegen sich weg von reinen Chatbots hin zu operativen digitalen Mitarbeitern. Die können dann zum Beispiel Cases priorisieren, Prozesse orchestrieren und Aktionen autonom ausführen. Diese Agenten können dann von Menschen gesteuert werden, zum Beispiel aus einem Chat heraus.
Vorschnell kopflos
Jetzt ist „Headless“ sicherlich keine Falschmeldung, sondern vermutlich der Lauf der Dinge in der Welt der großen Software-as-a-Service-Unternehmen. Übrigens auch bei SAP, die das Thema Headless dann lieber „No-App-Experience“ nennen. Ist vielleicht auch ein angenehmeres Bild als „Headless“.
Aber es stellt sich mir trotzdem die Frage, ob der Zeitpunkt eigentlich stimmt. Während unzählige Unternehmen noch damit kämpfen, ihre nur geringfügig automatisierten Prozesse à la „Ich rufe dich an, um das Angebot zu vervollständigen“ zu digitalisieren, ruft Salesforce schon den Tod der Web-UI aus. Bei aller Technikaffinität, ich glaube, so schnell geht es nicht.
Viele Grüße
Patrick Winter
Webinare
Eine Übersicht der gesamten Webinare finden Sie unter folgendem Link: mindforce Webinare
- Neue Features im Salesforce Summer ’26 Release
am 03.06.2026 um 10 Uhr
mehr Informationen und zur Anmeldung - Mit KI im Vertrieb durchstarten: Wie Sie KI in Salesforce richtig nutzen und die passenden Lizenzen finden
am 18.06.2026 um 10 Uhr
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Ihr
Patrick Winter



