Wenn alles gleich möglich ist, wenn man es sich nur wünscht, könnte ich als Product Owner achselzuckend auf dem „Approve“-Button festhängen. Wie wähle ich die Reihenfolge der Umsetzung von Anforderungen sinnvoll aus, wenn Entwicklungsaufwand kein wirkliches Kriterium mehr ist? Und wie entscheide ich, ob uns etwas überhaupt weiterbringt?

Tenor: Einfach alles prompten

Bisher war für die Realisierung einer Anforderung aus dem Fachbereich oft auch relevant, wie viel Aufwand in der Umsetzung entstehen würde. Damit war im Wesentlichen der Entwicklungsaufwand gemeint. Darum gab es dann in der Sprint-Planung auch eine intensive Planung und Abwägung: Sollen wir das wirklich machen? Wenn ja, was muss dafür liegen bleiben?

Denn Softwareentwicklung ist teuer. Jedenfalls bislang. Aktuell befindet sich der Anteil der Implementierungskosten an IT-Lösungen im freien Fall. In Zeiten, in denen ich mir per Einzeiler-Prompt ganze Anwendungen erstellen lassen kann, muss Softwareentwicklung, ob nun alleinstehend oder auf einer Plattform wie Salesforce, neu gedacht werden. Wer an einem so endlosen Buffet alles auf den Teller nimmt, was geht, merkt erst am Tisch, dass nichts zusammenpasst.

Neue Kriterien: Lernwert und Umkehrbarkeit

Für Product Owner einer Salesforce-Umgebung ist das relevant. Wenn KI den Bauaufwand gegen null drückt, fällt Aufwand als Kriterium für die Reihenfolge im Backlog weg. Eine Reihenfolge braucht es trotzdem, sonst droht eine Lösung, die einfach alles ins System wirft, was sich jemand wünscht. Jeff Gothelf, Mitautor von „Lean UX“ und Berater für Produktteams, schlägt zwei andere Fragen als Ersatz für die Aufwandsfrage vor: Was lernen wir dabei (Lernwert)? Und wie schwer lässt es sich rückgängig machen (Umkehrbarkeit)? Daraus entstehen vier Felder:

Bekömmlicheres Backlog

Ich finde diesen Blick sehr spannend, denn mit ihm kann ich meine Triage anders betrachten. Teuer ist nur noch, was sich nicht zurückdrehen lässt: eine Datenmigration, eine Zusage an den Fachbereich, ein Prozess, auf den sich alle eingestellt haben. Die gefährlichste Ecke ist nicht mehr das Teure, sondern das, was wenig lehrt und für immer bleibt.

Für eine neue Agenten-Schnittstelle oder ein umgebautes Kontaktformular heißt das zum Beispiel: hoher Lernwert, oft leicht umkehrbar, also bauen und messen statt monatelang abstimmen. Vielleicht können Sie ja für Ihren nächsten Blick auf Ihr Backlog mal schauen, ob sich damit eine neue Reihenfolge bilden lässt. Dann sollte das Ergebnis auch sicher schmecken.

Viele Grüße
Patrick Winter

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