Vergangene Woche habe ich Salesforce aus Claude heraus bedient, und ich muss meine Skepsis vom Mai wohl etwas korrigieren. Ein kleiner iPhone-Moment, mit einer noch offenen Preisfrage.
Headless, faster
Inspiriert von der diesjährigen Dreamforce habe ich vergangene Woche in unserer eigenen Salesforce-Sandbox den Hosted MCP Server im Setup aktiviert und mit Claude etwas herumgespielt. MCP ist die gemeinsame Sprache, über die KI-Assistenten auf Daten und Funktionen zugreifen können. Plötzlich lassen sich Vertriebsabläufe und administrative Aufgaben per Sprache steuern, in meinem Namen und mit meinen bestehenden CRM-Berechtigungen. Auch wenn ich mich AI-mäßig schon abgebrüht fühle, das hat sich schon Matrix-mäßig angefühlt und Spaß gemacht. (Wann habe ich das zuletzt über die Benutzung eines CRMs gedacht?)
Im Mai schrieb ich noch zu Headless 360: „So schnell geht es nicht.“ Inzwischen heißt das AIforce und steht in Salesforces Keynote-Zeitleiste der UI-Quantensprünge wenig bescheiden als logischer Nachfolger der Einführung des iPhones. Nach meiner Einschätzung würde ich mittlerweile sagen: Vielleicht kommt Headless doch schneller als gedacht.
Microsoft Copilot (noch) außen vor
Praktisch ist ein flächendeckender Einsatz von Claude schwierig. In Deutschland wird in Unternehmen oft Copilot genutzt, weil dort die Datenverarbeitung in der EU zugesichert werden kann. Bisher sichert Claude-Hersteller Anthropic eine Verarbeitung in der EU nicht zu. Eigene MCP-Server bindet Microsoft bisher nur in Copilot Studio ein, und das als Vorschau. Auch in dem ganz frischen Copilot Code habe ich es nicht entdeckt. Für die Arbeit mit echten Kundendaten wünsche ich mir deshalb, dass Anthropic und Microsoft hier schnell nachbessern.
Warten muss darauf allerdings niemand. Einige unserer Kunden arbeiten mit uns bereits an Projekten, die dank Claude Code rasant entwickelt werden können und in denen eine eigene Schutzschicht sicherstellt, dass datenschutzkonform auch die Power von LLMs genutzt werden kann. Und ja, Lightning-Zugriff spielt in diesen Projekten dann allenfalls eine Rolle, wenn man doch einen Datensatz direkt kontrollieren will.
Der Zähler hat schon einen Namen
Wird Salesforce damit für mich eher zur Datenbank im Hintergrund, mitsamt Geschäftslogik und Berechtigungen? Salesforce-Mitgründer Parker Harris fragt selbst: „Why should you ever log into Salesforce again?“ Wenn ich dort kaum noch arbeite, wofür zahle ich künftig?
Schon beim Aktivieren weist Salesforce auf mögliche künftige Nutzungskosten hin. Angekündigt ist die Headless Platform Interaction (HPI): Jeder erfolgreiche Aufruf eines registrierten Agenten per MCP oder API soll über Flex Credits gezählt werden. Der Preis ist bisher unveröffentlicht, gemessen wird noch nicht. Immerhin sind vor einem offiziellen Messbeginn 30 Tage Vorankündigung vorgesehen.
Salesforce ist fairerweise damit nicht allein: Microsoft berechnet solche MCP-Zugriffe externer Agenten auf Dynamics 365 seit Dezember 2025, mit Ausnahmen unter anderem für Premium-Lizenzen.
Erst ausprobieren, dann nachrechnen
Was ich mir daraus mitnehme: Ich würde jetzt ausprobieren, solange die Headless-Zugriffe noch nicht gemessen werden (Sandboxes bleiben davon ohnehin ausgenommen). Echte Kundendaten würde ich dabei erst durchreichen, wenn geklärt ist, wo sie landen. Parallel würde ich festhalten, welche Agenten und Skripte auf die Org zugreifen.
Bei der nächsten Vertragsverlängerung wäre meine Frage: Welche Lizenzen brauchen wir, wenn weniger Menschen die Oberfläche nutzen? Der Test macht Lust auf mehr. Fürs Nachrechnen fehlt noch eine Zahl.
Viele Grüße
Patrick Winter
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Robert Richter
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