Während Konzerne wegen ihrer KI-Rechnungen nervös werden, dürfte der Verbrauchszähler in vielen CRM-Systemen ziemlich entspannt aussehen. Das ist vielleicht eher Anlass für Panik als eine Sorge vor Übernutzung.
Ungeahnter Sensor
Sensoren gibt es ja für alles Mögliche. Ich wusste zum Beispiel bisher nicht, dass die Bahn automatisiert im Vorbeifahren die Temperatur der Achsen der Waggons misst. Neulich bin ich mit dem Zug auf freier Strecke stehen geblieben. Ein Sensor hatte an einer Achse 800 °C gemessen.
Mit Warnweste bekleidet, konnte eine Zugbegleiterin das glücklicherweise durch eine Sichtprüfung ausschließen. Was ich für einen launigen Scherz gehalten habe, hat mir dann ein Bahnmitarbeiter erklärt. Es kommt durchaus vor, dass sich zum Beispiel mal eine Bremse festsetzt. Dann glüht das Rad, im ungünstigen Fall brennt der Waggon. Also danke an denjenigen, der sich diesen Sensor ausgedacht hat. Auch wenn es diesmal ein Fehlalarm war.
Wenn anderswo die Zähler heißlaufen
Tech-affine Großkonzerne scheinen gerade ihre Sensoren auszubauen. Die neuen Lieblings-KPIs sind die Token-Kosten für KI-Nutzung. Uber hat sein KI-Jahresbudget schon im April aufgebraucht; Accenture rationiert die Nutzung bis hin zum Verbot, KI für die Umwandlung einer PDF in PowerPoint einzusetzen. Auch SAP hat ein dreistufiges Kostencontrolling für die KI-Ausgaben eingeführt. Dafür gibt es bereits den Begriff „Token Panic“.
Wenn digital gemachte Probleme real Geld kosten, gibt es dann ja glücklicherweise auch wieder IT-Lösungen dafür. Salesforce bietet das Digital Wallet und Consumption Insights; Microsoft und HubSpot haben vergleichbare Lösungen. Lösungen für Häuser, deren Token-Zähler bereits ziemlich schnell laufen.
Token-Verschwendung
Die meisten Unternehmen, die ich kenne, haben keine Token-Panik. Die Panik ist eher, dass bei einem Blick auf so einen Sensor in Salesforce oder einer anderen etablierten Lösung der Wert 0 herauskommt. Dass niemand KI benutzt. Jedenfalls nicht im gewünschten System.
Für einen Branchenreport hat das ZEW im März und April 2026 rund 1.500 deutsche Unternehmen befragt. Im verarbeitenden Gewerbe stellt nicht einmal jedes dritte Unternehmen KI selbst bereit, aber weit über die Hälfte erlaubt oder duldet, dass die Leute sie trotzdem benutzen. Und es wird genutzt. Nur halt im Browser.
Dennoch ist vielleicht der Blick auf den Token-Verbrauch in Zukunft für mehr Unternehmen sinnvoll. Denn Salesforce hat für Ende August angekündigt, die Agentforce-Plattform in allen Orgs mit Agentforce-Zugang standardmäßig einzuschalten. Und es gibt ja auch „Gratis-Guthaben“. Dann würde man etwas nicht nutzen, was man mit der Lizenz bereits bezahlt hat. Das hat schon so manches Projekt auf den Weg gebracht.
Was ich mir daraus mitnehme: Einmal nachsehen, was der Zähler überhaupt anzeigt. Steht da 0, heißt es anhalten, aussteigen, nachsehen. Was macht der Fachbereich gerade mit KI, das eigentlich besser im CRM-System laufen sollte?
Viele Grüße
Patrick Winter
Event
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Patrick Winter
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Robert Richter
Fachbereichsleiter
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