Frank Y. Nedwed
IT
 - 27. Mai 2020

Die 7 größten Unterschiede zwischen SAP und Salesforce – diese sollten Sie unbedingt kennen!

Die beiden Softwares SAP und Salesforce unterscheiden sich grundsätzlich in Sachen wie Datenmodell und Architekturtechnik. Oftmals bereitet genau dies Schnittstellenentwicklern Schwierigkeiten. Auch was die Kommunikation angeht, gibt es bestimmte Anstrengungen. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen die größten Unterschiede anhand von Beispielen aus der Praxis erläutern.

Was sind SAP und Salesforce genau?

Die Abkürzung SAP steht für Systeme, Anwendungen und Produkte. Diese Worte beschreiben SAP auch ziemlich gut. Es ist nämlich eine Software, die für Datenverarbeitungen genutzt wird. Somit wird ein glatter Informationsfluss in Ihrem Unternehmen gewährleistet. Hinter SAP steht also das Ziel, Nutzern eine gemeinsame, unternehmensweite Datenbank für verschiedene Anwendungen anbieten zu können. Anwendungsbereiche können hierfür bspw. Finanzen, Personalmanagement oder auch Controlling sein.

Salesforce ist ein Unternehmen aus San Francisco, das unterschiedliche webbasierte Lösungen anbietet. Dazu zählen vor allem cloudbasierte Anwendungen – am bekanntesten ist hier die Sales Cloud. Grundsätzlich ist auch bei Salesforce das Ziel, eine gänzliche und automatisierte Vernetzung Ihres Unternehmens mit z. B. Ihren Kunden, Mitarbeitern und Anwendungen unter optimalen Bedingungen zu verknüpfen. D. h. Ihre Kundeninformationen sollen so vernetzt werden, dass Ihr Unternehmen sich kundenzentrierter ausrichtet.

Da Sie jetzt beide Systeme gut unterscheiden können, möchte ich mit Ihnen mehr auf die sieben größten Unterschiede zwischen SAP und Salesforce eingehen.

Komplexität der Datenstrukturen und Aufteilung in verschiedenste Tabellen

1. Kundendaten:

Hier ein paar Spezialitäten, die oft zu Missverständnissen und Problemen in der Entwicklung führen:

SAP:

  • Adressedaten aus der KNA1
  • Z. B. Zahlungsbedingungen in KNVV abhängig von der Sales Area / des Betriebsbereiches, auch viele weitere wichtige Daten sind abhängig von der Sales Area
  • Partner-Beziehungen liegen in der KNVP
  • Die Hierarchie ist in der KNVH gespeichert

Salesforce:

  • Fast alles wird direkt in Accounts gespeichert, in einem einzigen Objekt
  • Unterscheidung dafür aber in unterschiedlichen Account Typen, die sogenannten Record Types
  • Beziehungen werden wieder in sogenannten Junction Objects abgebildet
  • In Salesforce ist die Hierarchie nur als ein einziges Feld mit der Parentld – also der ID des höheren Accounts – direkt im Account Objekt gespeichert.

2. SAP Checktables vs. Salesforce Picklists

SAP Checktables:

Das sind umfangreiche Tabellen, die verschiedenste Prüfungen auf den Daten steuern. Die Prüftabelle ist die abhängige Tabelle, zu der die Beziehung mithilfe der Fremdschlüssel definiert wird. Der Inhalt des Prüftabellenfeldes wird in der Eingabehilfe für das referenzierte Feld angezeigt. Dann gibt es noch die Wertetabelle. Diese Tabelle ist an ein Feld auf Domänenebene angehängt, wobei der Eintrag in das Feld nur aus der Wertetabelle stammen kann.

Salesforce Picklists:

Picklist ist eine einfache Ansammlung von Werten. Ganz beliebt bei Interfaces: Unrestricted picklists. Das heißt, dass ein Interface, wenn der Wert nicht in der Liste drinsteht, dennoch einen Record anlegen kann. Der Wert steht dann einfach in der Picklist, obwohl er eigentlich nicht zulässig ist. Das macht die Schnittstelle robuster, kann aber die Datenqualität verringern. Um ein Verhalten ähnlich wie zu SAP zu erhalten, müssen Sie custom objects – also eigenentwickelte Objekte – anlegen, die dann auch mit mehr Informationen angereichert werden können.

3. Validierungen SAP vs. Validation Rules Salesforce

Validierungen SAP:

Auf der Seite von SAP ist es sehr komplex. Denn dabei entstehen viele Fehlerklassen mit teilweise hunderten Fehlcodes.

Validierungen in SAP: Mögliche Nachrichten einer Nachrichtenklasse / Message Class

Validierungen in SAP: Mögliche Nachrichten einer Nachrichtenklasse / Message Class

Es gibt allerhand Validierungen – auch viele Validierungen mit Bewegungsdaten, Kreditchecks und landesspezifischen Datenformaten. Validierungen sind praktisch für ein gewisses Maß an Datenqualität und speziell eben auch Bewegungsdatenchecks. Es bleibt aber dennoch manchmal eine Qual für Ihren Nutzer.

Salesforce:

Dafür gibt es auf Salesforce-Seite ein paar Spitzfindigkeiten, wie bspw. Close Date. Denn Close Date können Sie nicht entfernen – auch nicht vom Layout. Es muss für eine Opportunity immer gefüllt sein, auch wenn das für das Business überhaupt keinen Sinn ergibt. Was sonst noch wichtig ist: Validierungen müssen Sie über die sogenannten Validation Rules selbst bauen. Hier können Sie einfach Aussagenlogik und Vergleiche nutzen. So können Sie super schnell Validierungen hinzufügen. Gerade aber bei vielen besonders komplexen Validierungen kann das schnell unübersichtlich werden.

4. Schlüsselzugriff

SAP:

Es gibt teilweise recht komplexe Schlüsselzugriffe: Bspw. um auf Sales Area spezifische Daten zuzugreifen werden folgende Fehler benötigt: MANDT-KUNNR-VKORG-VTWEG-SPART (Mandant (muss meist nicht expliziert spezifiziert werden), Kundennummer, Vertriebsorganisation, Vertriebsweg, Vertriebssparte).

Salesforce:

Jedes Objekt erhält eine einzige eindeutige ID, über die es erreicht werden kann. Ob die Kombination aus anderen Feldern einen eindeutigen Zugriff liefert – wie bei SAP – muss nicht unbedingt definiert sein. Aber es lassen sich auch external Ids spezifizieren, mit denen dann ein ähnlicher Effekt erreicht werden kann.

Fun Fact: aus diesem Grund kommt es dann zu solch lustigen Fragestellungen auf SAP-Seite (das ist lustig, weil es eigentlich nie so weit kommen sollte, dass jemand mehr als 16 Schlüssselfelder benötigt.):

Frage in einem der Anwenderforen von SAP

Frage in einem der Anwenderforen von SAP

5. Schlüsselwerte vs. Bezeichnungen:

SAP: Values vs. Converted Value

SAP nutzt an vielen Stellen auch wieder mehr oder weniger eindeutige Identifikationen von Werten. Diese sind meist an andere Tabellen verknüpft, z. B. Partnerfunktionen haben converted und unconverted Werte:

  • Converted: SH (Ship To)
  • Unconverted (hängt von der Systemsprache ab) WE Warenempfänger
  • Soll dargestellt werden als: „Ship To Customer“

Das kann beim Interface aufbauen und Filter erstellen eine echte Qual sein, weswegen ich eher ein vorgefertigtes Template empfehle.

Fun Fact: Bspw. kann ein Kunde die Partnerfunktion SP mit der Bedeutung Sold-To („Verkauft an“, also der Auftraggeber) nutzen. unconverted steht aber AG für Auftraggeber auf der Datenbank. Eine Schnittstelle, die nach SP filtert, liefert dann nicht die Auftraggeber zu einem Kunden, sondern die Spediteure – weil da die unkonvertierte Abkürzung SP liegt.

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Salesforce: Obacht! API Name + Label + Translation

API Name ist der eindeutige Schlüssel, der auch im Coding verwendet wird und keine Sonderzeichen enthalten kann. Das Label ist die Freitextbezeichnung, auch mit Leerzeichen.

  • Translation: Bei Mehrsprachigkeit kann für jede Sprache eine andere Übersetzung gepflegt werden: z. B. Einheiten: KG – kg – Kilogramm/ Kilogram/ kilogramo/
  • Spannend: auch wenn das Label bereits englisch ist, kann nochmal eine ganz andere englische Übersetzung eingepflegt werden

Wichtig ist, immer darauf zu achten, dass Sie die Translation darstellen und im Coding nur API Namen verwenden – und diese auch nicht anpassen, ohne dass Sie im Coding das auch anpassen

6. Limits

SAP:

Alles was die Hardware OnPremise hergibt. Dafür kann es zu Verzögerungen kommen, wenn die Last hoch ist und dadurch können auch andere Prozesse beeinträchtigt werden:

  • Bspw. Last auf der PI verzögert andere Datenübertragungen, was sehr unerwünscht sein kann.

Salesforce:

Viele Limits aufgrund der Multi-Tenant-Struktur zu berücksichtigen, kann besonders für neue Kunden und unerfahrene Entwickler echt heikel werden, wenn dort etwas vergessen wird. Zusätzliche Power ist fast immer mit dem Erwerb zusätzlicher teurer Lizenzen verbunden – im schlimmsten Fall knallt es erst bei voller Last auf der Schnittstelle ein.

7. Delete vs. „Delete“

SAP:

Viele Datensätze lassen sich gar nicht erst löschen, sondern nur kennzeichnen, bspw. die Löschvermerke (LOEVM = ‚X‘). Die Daten bleiben aber dennoch vorhanden. Was auch beliebt ist: Datensätze lassen sich nicht löschen, sondern nur abgrenzen. Das heißt, der Datensatz behält seine Gültigkeit nur zu einem gewissen Zeitraum – definiert durch Beginn und Enddatum (BEGDA ENDDA). Ein Löschen bedeutet also ein Enddatum zu irgendeinem Zeitpunkt zu setzen und dann eventuell einen anderen Datensatz mit BEGDA dort beginnen zu lassen.

Salesforce:

Einen Datensatz zu löschen ist grundsätzlich möglich und kann auch von Usern gestattet werden. Hier können Sie Datensätze laden und auch im Papierkorb verschieben.

  • Spannend auszurechnendes Limit: Ihr Papierkorb kann das 25-fache der MB- Speicherkapazität als Datensätze enthalten. Bspw. kann eine Organisation mit einer Speicherzuordnung von 2.000 MB (2 GB) 50.000 Datensätze im Papierkorb haben. Gelöschte Datensätze verbleiben 15 Tage im Papierkorb und können während dieser Zeit wiederhergestellt werden

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Last but not least – SAP und Salesforce

Ich hoffe ich konnte Ihnen in diesem Beitrag die sieben größten Unterschiede zwischen SAP und Salesforce erläutern. Sollten Sie dennoch Fragen haben oder Sie benötigen Unterstützung bei einer dieser beiden Systeme , kontaktieren Sie mich gerne.

Frank Y. Nedwed

Frank Y. Nedwed

Mein Name ist Frank Y. Nedwed und ich bin begeisterter Projektleiter und Consultant bei mindsquare. Neben meiner Leidenschaft Ihrer Abteilung das Leben leichter zu machen und Projekte zum Erfolg zu führen, interessiere ich mich insbesondere für Forschungs- und Anwendungsthemen rund um die digitale Transformation.

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